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Eliane Müggler
Rheineckerstrasse 17
CH-9425 Thal

Epic Israel

15.10.2018

Zum Abschluss der Saison 2018 reiste ich vom 1. bis 7. Oktober nach Israel, um am Epic Israel teilzunehmen. Das Drei-Etappen-Rennen bestritt ich zusammen mit meiner Teamkollegin Meret Zimmermann.

Montag 1. Oktober
Frühmorgens flogen wir nach Tel Aviv und kamen dort am Mittag Ortszeit an. Da in Israel ein Feiertag war, war nicht nur das Restaurant am Flughafen zu, sondern auch die Bahn. So fuhren wir mit einem Shuttle nach Jerusalem. Bei unserer Unterkunft angekommen, meinten wir zuerst, dass unsere bereits vor Ort weilenden Teamkollegen nicht mehr in diesem Hotel seien. Schliesslich stellte sich heraus, dass sie gerade unterwegs sind und der Mann darum sagte „they are gone.“ Wir bauten unsere Bikes zusammen und legten uns nochmals hin, denn wir hatten keine Ahnung, wo wir mit dem Bike hinfahren konnten. Am Abend spazierten wir mit unseren Teamkollegen zur Altstadt, wo wir ein feines einheimisches Nachtessen genossen.

Dienstag 2. Oktober
Am Morgen besuchten wir den Markt und die Altstadt, versuchten uns im Tramfahren (teilweise ohne Billett) und nach einem Teller arabischem Shawarma wagten wir uns am Nachmittag aufs Bike. Wir fanden dann auch tatsächlich einen Trail direkt am Stadtrand und perfekte Radwege, welche aber immer wieder von ziemlich grobem Kies unterbrochen wurden. Es war sehr heiss und deshalb eine gute Vorbereitung für das Epic. Mit einem Glace gestärkt, wagten wir uns wieder in den Stadtverkehr und fuhren zurück zum Hotel.

Mittwoch 3. Oktober
Nach dem Frühstück mit dem typischen Hummus packten wir unsere Sachen zusammen und fuhren mit dem Bike zum Racehotel. Mit ziemlich viel Kartenlesen und einer kleinen Wohnquartierbesichtigungs-Extrarunde fanden wir den hügeligen Weg zum Hotel. Dort konnten wir gleich in unser Zimmer, welches im Vergleich zu Jerusalem richtig gross und luxuriös war. Alle Rennteilnehmer waren im gleichen Hotel – oder davor in Zelten – untergebracht und auch das ganze Renngelände war direkt ums Hotel aufgebaut, bzw. am Mittwoch noch im Aufbau. Wir holten unsere Nummern ab und bereiteten unsere Bikes vor. Langsam stieg bei mir die Nervosität. Als lizenzierte Teams konnten Meret und ich sowie unsere Teamkollegen Simon und Robin eine Werkzeugbox und Ersatzräder für die zweite Feedzone bereitstellen. Was sollten wir da alles reintun? Ersatzschläuche, Pneu, Inbussschlüssel, Schuhe, Bidons, Riegel, Gel, ... bis die Kiste voll war und wir hoffentlich alles hatten. Vor dem Nachtessen gab es noch ein Racebriefing mit den wichtigsten Infos.

Donnerstag 4. Oktober Stage 1: 87 km, 1850 hm
Um 4:30 Uhr war bereits Tagwache, denn der Start erfolgte um 7:00 Uhr. Als Lizenzfahrerinnen konnten Meret und ich weit vorne einstehen. Während dem neutralisierten Start fuhren die Töffs vorne sehr langsam, gleichzeitig drückten die hinteren Fahrer nach vorne. Es war ziemlich hektisch in der ersten Abfahrt. Als das Rennen dann freigegeben wurde, ging es weiter abwärts und vor lauter Staub konnte man den Boden kaum sehen. Meret hat als Strassenfahrerin mehr Erfahrungen im Feld und ich versuchte, ihr so gut wie möglich zu folgen. Nach etwa 20 Minuten fiel ihr die Kette raus, dies sollte glücklicherweise unser grösstes technisches Problem während den ganzen drei Etappen sein. Vom Start auf 800 Metern über Meer ging es mit kurzen Gegensteigungen auf etwa 200 Meter runter. Dort folgte eine ziemlich anstrengende Fläche, da der Boden kaum rollte. Nach 37 Kilometern passierten wir die erste Verpflegungszone. Meret klagte bereits am Morgen über Unwohlsein und hatte nun auch noch Magenkrämpfe. Ich versuchte, sie so gut wie möglich zu unterstützen und die Führungsarbeit zu übernehmen. Die folgenden Trails und technischen Passagen wären eigentlich genau nach unseren Wünschen gewesen, wurden so aber zur Qual für Meret. Bei Kilometer 57 konnten wir von den Shimano-Betreuern unsere staubigen Ketten ölen lassen und in unserer Box einen neuen Bidon mitnehmen. Den leeren Bidon füllte ich mit kaltem Wasser und nahm diesen in der Trikottasche mit. Später wurden wir von einem portugiesisch-ecuadorianischem Team und von zwei Israelinnen überholt. Nach 70 Kilometern begann der zweitletzte Aufstieg und auch die Temperaturen waren bereits sehr hoch. So kam die dritte Verpflegung am Ende des Aufstiegs gerade richtig, um nochmals isotonische Getränke und Wasser aufzufüllen. In der folgenden Abfahrt hatte Meret keine Schmerzen mehr, so liessen wir es richtig krachen und konnten im Schlussaufstieg nochmals Gas geben. Die Sonne brannte auf uns nieder, die Temperaturen waren zur Mittagszeit bei über 30 Grad angekommen und von einem kühlenden Lüftchen konnten wir nur träumen. Wir kühlten uns immer wieder mit dem mitgenommenen Wasser und später standen auch noch Helfer mit Wasser. Wir konnten noch zwei Frauenteams überholen und erreichten schliesslich nach 5:21 Stunden auf Platz sieben das Ziel. Nach dem Bike putzen war erholen und essen angesagt und so verging auch der Nachmittag wie im Flug. Nach dem Abendessen gab es die Siegerehrung für die Podestfahrer inkl. Bischi und Thomas in der Masterskategorie und die wichtigsten Infos für den nächsten Tag.

Epic Israel Stage 1 (c) EGO-Promotionzoom

Freitag 5. Oktober Stage 2: 98 km, 2300 hm
Der Start erfolgte wiederum um 7:00 Uhr. Heute ging es zuerst auf Asphalt runter ins Dorf und im ersten Anstieg wurde das Rennen freigegeben. Dieser war bereits recht steil und grob, so dass einige absteigen mussten. Wir bahnten uns unseren Weg und kamen gut durch. Kurz darauf folgte ein cooler Trail. Leider wurden wir von einer Tschechin etwas ausgebremst. Der Aufstieg war dann wieder auf einer breiten 4x4-Strasse. Diese sind meist doppelt so breit wie unsere Kieswege, beinhalten aber auch ordentlich Schotter. Die langsamere Tschechin wurde von ihrer stärkeren Teamkollegin geschoben und so sahen wir sie bald nicht mehr. Nach einer wiederum sehr schnellen Abfahrt erreichten wir nach 22 Kilometern den ersten Waterpoint, wo wir unsere Bidons auffüllen konnten. Nun ging es schleichend aufwärts. Meret fühlte sich viel besser als noch gestern. Als es dann etwas steiler wurde, hatte ich etwas Respekt, ob ich dieses Tempo über die ganzen knapp 100 Kilometer durchziehen könnte. Ich teilte dies Meret mit und kurz darauf hatte sie dann auch eine kurze Krise. Wir kamen aber gut voran, vor allem rollte der Boden heute deutlich besser. Zur Abwechslung folgten auch kurze Asphalt-Abschnitte und so kamen wir schnell zur ersten Verpflegung nach 40 Kilometern. Danach hatten wir von über 700 Metern einen schönen Ausblick auf die Landschaft und die umliegenden Hügel. Es folgte eine längere Abfahrt und ein ebenso langer Aufstieg, in dem ich mich wieder besser fühlte und einen kurzen Stopp einlegte, um meinen Steuersatz nachzuziehen. Während ich wieder zu Meret aufschloss, überholte ich die Ungarinnen, die anscheinend nicht weit hinter uns herfuhren. Auf dem höchsten Punkt stand nach 64 Kilometern der nächste Waterpoint an. Dort wurde uns nicht nur Wasser, sondern auch ein Cola gereicht, eine willkommene Abwechslung. Zudem herrschte mit der Musik und den lauten Zuschauern am Streckenrand eine super Stimmung. Die folgende Abfahrt, zuerst über Schotter, dann auf Asphalt und schliesslich durch ein riesiges Kieswerk mit einigen trügerischen Kurven, war wiederum sehr schnell. Am Ende des Kieswerks zwang uns eine geschlossene Bahnschranke zu einer unfreiwilligen Pause, welche ich zum Verpflegen nutzte. So konnten die Ungarinnen wieder aufschliessen. Nach einem kleinen Hügel kamen wir zur Verpflegung. Mit geölter Kette, neuem Sponser-Bidon, einem zweiten mit Wasser und einem gegessenen Brownie – da konnte ich wirklich nicht wiederstehen – machten wir uns auf die Verfolgung der Ungarinnen. Wir konnten sie gerade noch vor einer technischen Passage überholen und so mussten sie in der folgenden Fläche selbst im Wind arbeiten;-) Ich übernahm wiederum die Führungsarbeit. Mit Hilfe eines Männerteams schafften die Ungarinnen den Anschluss wieder, wir distanzierten sie dann noch einmal. Der zweitletzte Anstieg führte durch ein Tal mit etwas Schatten und wir konnten uns immer wieder mit Wasser kühlen. Den Ungarinnen gelang es trotzdem, uns wieder ein- und überholen zu können. Nach dem Anstieg folgte bei Kilometer 91 die letzte Verpflegung und darauf die gleiche Abfahrt wie schon am Vortag. So dachten wir, dass auch der Schlussaufstieg gleich sein würde. Und ja, nicht nur die Strecke war gleich, sondern auch der Sonnenstand und die Temperaturen. Mein Garmin mass eine Maximaltemperatur von 35 Grad! Wir wehrten uns aber gut, nur leider standen keine Helfer mehr mit Wasser wie noch am Vortag. Gut einen Kilometer vor Schluss erhielten wir aber noch eine kleine Gartenschlauchdusche und nach der abermaligen Bauernhofrundfahrt – wir fuhren direkt am Heu der Kühe der fressenden Kühe vorbei - erreichten wir nach 5:37 Stunden wiederum auf Platz sieben das Ziel.

Epic Israel Stage 2

Samtag 6. Oktober Stage 3: 60km, 1350hm
Die letzte Etappe begann „erst“ um 8:00 Uhr. Da wir im Gesamtklassement aller Teilnehmer den 75 Platz einnahmen, konnten wir aus dem Startblock A starten. Wiederum ging es nach dem Start hektisch zu und her. Auch die morgendliche Staubpackung blieb uns heute nicht vorenthalten. Nach gut 20 Minuten Fahrzeit fuhren wir durch ein Dorf und darauf folgten wiederum viele coole Trails. Dies war natürlich genau nach unserem Geschmack und wir fühlten uns beide gut. Wiederum sahen wir die Tschechinnen, die sich auf den Trails nicht so gut helfen konnten wie in den letzten Tagen. Auf einer Schotterstrasse passierten wir die Gesamtdritten, welche eine Platten zu flicken hatten. Bei der ersten Verpflegung hatten wir die Bidons noch nicht leer, angesichts der steigenden Temperaturen und der folgenden Anstiege stoppten wir trotzdem. So konnten die Tschechinnen davonfahren. Im folgenden Aufstieg hatte ich dann eine Krise und so übernahm Meret auf der nächsten Fläche die Führungsarbeit. Wiederum folgte ein Trail, den wir teilweise am Vortag bereits gefahren sind und nach einer kurzen Laufpassage erreichten wir ein Dorf, in dem sich auf die zweite Verpflegung befand. Mit neuem Sponser-Bidon, je einem Wasserbidon und einem Brownie ;-) nahmen wir den letzten Abschnitt in Angriff. Nach einer Abfahrt trennten uns nur noch zwei Anstiege vom Ziel. Diese waren fast identisch wie gestern. Nur hatte es heute einige Wolken am Himmel und so waren die Temperaturen ganz angenehm. Im letzten Trail wollte dann ein Mann einfach nicht auf die Seite gehen. So unterhielt ich mich etwas mit ihm, erklärte ihm, dass er gerade wieder eine Passage, um kurz auf die Seite zu stehen, verpasst hatte, und fuhr ziemlich nahe hinter ihm her. Es brauchte dann eine Schotterstrasse, um ihn zu überholen... Die nächsten Männer überholten wir dann umso schneller, aber nicht unbedingt sicherer. Im Schlussaufstieg brannte die Sonne zuerst nochmals erbarmungslos nieder, bevor dann einige Wolken und ein leichtes Lüftchen kamen. Kurz vor dem Ziel war heute richtig Party. Aus einem Wasserschlauch wurden am Sabat (unser Sonntag) zwei, Musik und sicher doppelt so viele Leute. Bei dieser Stimmung lief es mir kalt den Rücken runter und ich wusste, dass jetzt eigentlich nichts mehr schiefgehen konnte. Durch den Bauernhof sprinteten wir nochmals, zum letzten Mal in dieser Saison, und erreichten schliesslich nach 3:13 Stunden das Ziel. Damit erreichten wir den fünften Platz im Tagesklassement.

Epic Israel Stage 3

Overall erreichten wir nach 14 Stunden und 13 Minuten den sehr guten sechsten Schlussrang. Dies brachte uns 65 Weltranglisten-Punkte, mich auf Platz 241 (vorher 487) und Meret stieg direkt auf Platz 422 ein! Vielen Dank Meret, das du dich durchgekämpft hast und für den Teamspirit. Gratulation auch an unsere Teamkollegen Simon und Robin (17. Platz Men), Bischi und Thomas (3. Platz Master) und Marcel und Kurt (32. Platz Master) und vielen Dank für die coole Woche!
Nun geniesse ich noch meine Ferien, einige Just-for-fun-Trainings und Wanderungen bei hoffentlich schönem Herbstwetter. Nachher freue ich mich auf einen schneereichen Winter und ich bin mir sicher, dass ich den Start der neuen Saison schon bald kaum mehr erwarten kann;-)

 

Herzlichen Dank meinen Sponsoren!

 
 
 
 

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